Ödem – Wasser im Gewebe

Als Ödem bezeichnen Mediziner Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Sowohl in der medizinischen Praxis als auch in der Umgangssprache ist oft auch von Wasseransammlungen im Gewebe die Rede. Tatsächlich handelt es sich bei der Flüssigkeit hauptsächlich um Wasser, in dem mehr oder weniger Eiweiße enthalten sind.

Synonyme

Wasser im Gewebe (umgangssprachlich), Wassersucht, Gewebswassereinlagerung

Definition

Ödem

Bei Ödemen handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr um ein Symptom von Erkrankungen oder Verletzungen. Gemeinsam ist allen Ödemen, dass flüssige Bestandteile des Blutes aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe austreten. Dabei bilden sich in der Regel Schwellungen. Diese Schwellungen können örtlich begrenzt sein oder am ganzen Körper bzw. in größeren Körperregionen auftreten. Mediziner sprechen auch von lokalisierten und generalisierten Ödemen.

  • Lokalisierte Ödeme kennen viele Menschen in Form von geschwollenen Füßen, Knöcheln oder Waden. Diese werden häufig durch Venenerkrankungen oder Störungen des Lymphabflusses verursacht. Mediziner sprechen von peripheren Ödemen. Flüssigkeitsansammlungen in Organen werden als innere Ödeme bezeichnet. Eine lebensbedrohliche Form des lokalisierten inneren Ödems sind beispielsweise Hirnschwellungen (Hirnödeme) durch Verletzungen oder Tumoren. Zudem gibt es Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem), im Bauchraum (Aszites) oder zwischen Lunge und Brustkorb (Pleuraerguss).
  • Generalisierte Ödeme sind oft die Folge von schweren Organerkrankungen, insbesondere bei Herzschwäche, Niereninsuffizienz oder Lebererkrankungen. Generalisierte Ödeme betreffen den gesamten Körper, selbst die Augenlider können betroffen sein. Eine andere Ursache für generalisierte Ödeme ist schwerer Eiweißmangel (Hypalbuminämie).

Zudem unterscheiden Mediziner eiweißreiche und eiweißarme Ödeme.

Weitere Ödeme

  • Hypoproteinämische Ödeme: Diese Wasseransammlungen sind Folge von Eiweißmangel. Neben organischen Erkrankungen (zum Beispiel der Niere oder der Leber) treten sie als sogenannte Hungerödem (Kwashiorkor) auf. Letztere sind eine Folge von Mangelernährung und treten vor allem bei Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern auf. Der Eiweißmangel führt dazu, dass mehr Wasser aus den Blutgefäßen osmotisch in das umliegende Gewebe gelangt.
  • Larynxödeme und Glottisödeme sind Schwellungen im Bereich des Kehlkopfes (Larynx), die meistens als Folge von Verletzungen entstehen. Andere Ursachen sind beispielsweise allergische Reaktionen oder Insektenstiche. Wenn der Kehlkopf zuschwillt, besteht Erstickungsgefahr.
  • Lidödeme kennen viele Menschen aus eigener Erfahrung, beispielsweise nach einem Insektenstich oder einer Lidentzündung am Augenlid. Ohne erkennbaren Auslöser deuten Lidödeme auf einen Eiweißmangel hin.
  • Makulaödem: Die Makula ist der Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut des Auges, der auch als gelber Fleck bezeichnet wird. Makulaödeme sind Schwellungen in diesem Bereich. Sie sind in der Regel Folge von Netzhautentzündungen und außerdem ein möglicher Hinweis auf diabetische Retinopathie.
  • Myxödeme sind Schwellungen des Unterhautgewebes. Sie sind ein Symptom von Schilddrüsenunterfunktion oder Morbus Basedow.
  • Genitalödeme sind Schwellungen der Geschlechtsorgane, die im Zusammenhang mit Verletzungen oder Entzündungen entstehen. Bei Frauen treten Geschlechtsödeme als Vulvaödem auf, bei Männern als Penisödem.
  • Phlebödem ist der medizinische Fachausdruck für „Wasser in den Beinen“.
  • Quincke-Ödem ist eine veraltete Bezeichnung für Angioödem. Dabei handelt es sich um Wasseransammlungen infolge einer allergischen Reaktion. Auch Medikamente lösen Angioödeme aus. Das gilt insbesondere für ACE-Hemmer, die gegen Bluthochdruck und Herzschwäche angewendet werden.
  • Reinke-Ödeme sind Schwellungen im Bereich der Stimmlippen.
  • HAE: Das Hereditäre Angioödem gehört zu den seltenen Erkrankungen. Zu den Symptomen gehören unvorhersehbar wiederkehrende Schwellungen an Armen, Beinen und im Gesicht sowie starke Bauchschmerzen und Übelkeit.
  • Schwangerschaftsödeme gehören zu den typischen Begleiterscheinungen des letzten Drittels der Schwangerschaft. Etwa 6 von 10 Frauen haben im 3. Trimenon geschwollene Extremitäten oder auch Schwellungen im Gesicht. Nach der Geburt bilden sich diese Ödeme in der Regel schnell zurück.

Symptome

Ödemen sind je nach Ursache, Ort und Größe der Flüssigkeitsansammlung sehr unterschiedlich.

Sehr leicht ausgeprägte Ödeme verursachen oft keine sicht- oder tastbaren Schwellungen. Sie machen sich vielmehr häufig durch ein mitunter schwer beschreibbares Spannungsgefühl bemerkbar.

Leichte Ödeme bei gesunden Menschen äußern sich meist als vorübergehende Schwellungen, beispielsweise in Form von geschwollenen Knöcheln nach langem Stehen oder in Form von geschwollenen Fingern oder Füßen an einem heißen Sommertag.

Ödeme in Folge von Störungen des Lymphabflusses oder von Venenerkrankungen machen sich oft durch umfangreiche Schwellungen bemerkbar. Beine oder Arme schwellen mitunter auf ein Vielfaches des normalen Umfangs an.

Schwere Ödeme wie das Lungenödem, Hirnödeme oder andere Flüssigkeitseinlagerungen in Organen verursachen sehr unterschiedliche – und nicht selten lebensbedrohliche – Symptome, da die Wasseransammlungen beispielsweise Atmung (Lungenödem) oder Hirnfunktion (Hirnödem) schwer beeinträchtigen können.

Allgemeine Symptome von Ödem

Ödeme können – neben Schwellungen oder Spannungsgefühlen - mit einer Vielzahl von unspezifischen Symptomen einhergehen. Einige davon sind:

  • Atembeschwerden (vor allem bei Lungenödem)
  • Kopfschmerzen
  • Kreislaufstörungen mit Schwindel bis zur Ohnmacht
  • Verminderte körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit
  • Sehstörungen

Ursachen

Ursache von Ödemen ist, dass Flüssigkeit aus den Blutgefäßen oder den Lymphbahnen in das umliegende Gewebe gerät. Das wiederum geschieht aus den unterschiedlichsten Gründen. Dazu zählen:

  • Wasserretention: Störung im Wasserhaushalt, bei der die Körperflüssigkeit nur unzureichend ausgeschieden werden kann, zum Beispiel bei Nieren- oder Herzinsuffizienz
  • Eiweißmangel: Eiweiß wird entweder zu wenig aufgenommen (Mangelernährung), unzureichend verwertet (Magen-Darm-Erkrankungen), zu viel ausgeschieden (Eiweißverlustniere) oder zu wenig produziert (Leberschwäche)
  • Hydrostatische Gründe: Senkung des hydrostatischen Drucks mit Zunahme des Flüssigkeitsvolumens, zum Beispiel bei chronischer Venenschwäche oder postthrombotischen Syndrom nach einer tiefen Beinvenenthrombose
  • Steigerung der kapillaren Durchlässigkeit: erhöhte Kapillarpermeabilität infolge Entzündungen, allergischen Reaktionen oder Verbrennungen
  • Gestörter Lymphabfluss: Transportstörung im Lymphsystem, zum Beispiel bei Lymphödemen
  • Störungen des Schilddrüsenhormonhaushalts: Hautinfiltration als sogenanntes Myxödem (lokal vor dem Schienbein bzw. bei Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion.

Viele Frauen kennen leichte Ödeme infolge von Hormonschwankungen, beispielsweise beim prämenstruellen Syndrom, während der Regelblutung, bei Schwangerschaften oder als Nebenwirkung der Antibabypille. Sportverletzungen wir Prellungen oder Verstauchungen oder andere Gelenkverletzungen sind eine weitere Ursache von meist harmlosen und von selbst abklingenden Wasseransammlungen.

Lokalisierte Ödeme wie geschwollene Beine oder Arme gehen oft auf Venenerkrankungen wie Venenschwäche oder Krampfadern sowie Störungen des Lymphabflusses zurück.

Große und mitunter lebensbedrohliche Ödeme werden vor allem durch ernste Erkrankungen oder schwere Verletzungen verursacht. Lungenödeme entstehen beispielsweise meist als Folge von Herzschwäche, Herzinfarkt oder koronarer Herzkrankheit. Bei Verletzungen des Schädels kommt es nicht selten zu Hirnödemen. Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), Nierenentzündungen oder Leberschwäche (Leberinsuffizienz) sind andere Ursachen von schweren Ödemen.

Weitere Ursachen von Ödemen

Tumorerkrankungen, Thrombosen, Operationen oder Medikamentennebenwirkungen sind weitere Ursachen von Ödemen. Typisch sind Wasseransammlungen beispielsweise nach der Einnahme von kortisonhaltigen Medikamenten und von manchen Antidepressiva. Auch Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäures (ASS) können wegen ihrer blutverflüssigenden Eigenschaften die Entstehung von Ödemen begünstigen.

Untersuchung

In der Diagnose von Ödemen konzentrieren sich Mediziner darauf, die Ursache für die Wasseransammlungen herauszufinden. Harmlose Ödeme lassen sich oft schon durch die Erhebung der Krankengeschichte und eine eingehende körperliche Untersuchung abklären oder liefern doch zumindest Hinweise auf die wahrscheinliche Ursache.

Beim peripheren Ödem bleibt nach einem Druck mit dem Finger auf die Gewebswasseransammlung eine Delle zurück. Beim Lymphödem kann keine Hautfalte über den Zehen abgehoben werden (Stemmer-Zeichen). Der Verdacht auf Aszites wird mittels Wasserwelle nachgewiesen. Auf seitliches Anstoßen des Bauches folgt eine Welle (Undulationsphänomen). Der Verdacht auf ein Lungenödem kann oft schon beim Abhören der Atemgeräusche bestätigt werden.

Je nach wahrscheinlicher Ursache des Ödems können eine ganz Reihe von diagnostischen Verfahren angewendet werden. Dazu zählen bildgebende Verfahren von Ultraschall (Sonografie) über Röntgen bis Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Laboruntersuchungen von Blut und Urin spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Suche nach der Ursache von Ödemen – und damit der besten Behandlungsmöglichkeit.

Behandlung

Aus medizinischer Sicht sind Ödeme letztlich keine eigenständige Erkrankung, sondern Symptom einer Erkrankung oder Verletzung. Daher konzentriert sich die Behandlung von Ödemen vor allem auf die auslösenden Umstände.

Akutbehandlung von Ödemen

Meistens beginnt die Behandlung von Ödemen damit, die Wassereinlagerungen im Gewebe gezielt zu verringern und so mit dem Ödem einhergehende Beschwerden zu verringern. Diese symptomatische Therapie setzt vor allem auf entwässernde Medikamente (Diuretika). Zudem werden Betroffene meist angehalten, die Trinkmenge zu verringern.

Behandlung von Lymphödemen

Die Behandlung von Lymphödemen ist komplex und oft langwierig. Häufig schließt sich an eine Lymphdrainage eine sogenannte Kompressionstherapie an. Physiotherapeutisch begleitete Bewegungsprogramme und individuell abgestimmte Ernährungspläne unterstützen die Behandlung von Lymphödemen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 18.09.2019

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